Rezension // Die Farbe von Milch von Nell Leyshon

Ein Roman ohne Beistriche – so lässt sich Die Farbe von Milch in einem Satz beschreiben und sehen lassen, kann es sich auch: Die Buchgestaltung ist hier mehr als gelungen. Alleine deshalb haben viele zu dem Buch gegriffen und auch ich bin nicht darum herum gekommen mich in die Welt von Mary zu stürzen. Soviel vorab: ich habe selten ein Buch gelesen, welches so einfach und doch so faszinierend war.

Inhaltsangabe zu Die Farbe von Milch

Wir befinden uns im Jahre 1831 und Mary erzählt aus der Ich-Perspektive was sie als 14-jähriges Mädchen erlebt. Sie schreibt es eigenhändig auf und ist stolz darauf, dass sie ihre Geschichte tagebuchartig niederschreiben kann. Wir erfahren von der jungen Frau, dass sie auf einem Bauernhof gemeinsam mit drei weiteren Schwestern aufwächst und Tag ein, Tag aus dort arbeitet. Irgendwann beschließt der Vater seine Tochter Mary in das Haus des Pfarrers zu schicken, damit sie dort seine kranke Frau pflegen kann. Diese stirbt, doch finden sich neue Aufgaben für Mary. Außerdem will der Pfarrer Mary nicht gehen lassen, sondern vergeht sich an ihr – mehrmals und immer wieder. Sie, die das Leben am Bauernhof, dem ansonsten weitaus angenehmeren Leben im Pfarrhaus, immer vorgezogen hätte, lernt nun im Gegenzug das Lesen und Schreiben vom Pfarrer. Und sie wird von ihm schwanger und hat ihre Wut ihm gegenüber lange im Griff. Doch zieht sie irgendwann die Reißleine bzw. den Käsedraht.

Meine Gedanken zum Roman

Da läuft einem schon ein kalter Schauer über den Rücken, wenn man die knapp 200 Seiten von Die Farbe von Milch verschlingt. Die einfachen Sätze lassen uns durch den Roman huschen, aber hinterlassen ihren Eindruck. Mich hat auch beim Lesen das flaue Gefühl nicht verlassen, dass es für Mary keinen Ausweg aus ihrem Schicksal gibt – und den gab es in dieser Zeit auch nicht. Daher ist es nur logisch, dass dieser Roman kein Happy End verspricht und übersetzt in die heutige Zeit ein bisschen den Zeigefinger erhebt.

Interessant ist auch der Verlag (EISELE) hinter dem Buch, der vor allem eines gut kann: Instagrammable Cover gestalten. Neben die Farbe von Milch punket auch Sag den Wölfen ich bin zu Hause mit einem schönen Buchumschlag. So war es fast unvermeidbar nicht auf den neuen Verlag – in der schon sehr vielfältigen Verlagswelt – aufmerksam zu werden, der 2016 von Julia Eisele (ehemalige Programmchefin von PIPER) gegründet wurde.

Zur Autorin Nell Leyshon

Nell Leyshons erster Roman Black Dirt stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Für ihren zweiten Roman Die Farbe von Milch wurde sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset. [Infos lt. Verlags-Website]

Weitere Besprechungen zu Die Farbe von Milch

SPIEGEL I Buchrevier I

 

Hier geht’s zum Buch.

Buchsendung mit Tirol TV in der Wagner’schen Buchhandlung:

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