Buchclub // Leserunde zu Tschick von Wolfgang Herrndorf

Ein Projekt welches mir wirklich schon lange im Kopf herumschwirrt, bin ich im neuen Jahr endlich angegangen: Ich habe einen Buchclub gegründet! Meine Mission lautet Menschen für das Lesen zu begeistern und dazu gehört auch Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Lesen ganz einfach in den Alltag integriert werden kann. Und was könnte da besser motivieren, als eine Leserunde! Über 200 Mitglieder haben im Januar das erste Buchclub-Buch Tschick gelesen. Hier verrate ich euch wie mir das Buch gefallen hat und was die Community dazu sagt. Am Ende gibt es noch die schönsten Zitate aus dem Buch.

Inhaltsangabe zu Tschick von Wolfgang Herrndorf

Im Internet schwirren tausende von Inhaltsangaben zum Jugendroman umher. Das Buch wird häufig als Schullektüre gelesen, daher ist die Nachfrage nach Inhaltsangaben besonders groß – ihr wisst bestimmt was ich meine. Deshalb halte ich mich hier kurz: Maik Klingenberg, der Ich-Erzähler, ist in der Schule ein Außenseiter. Und selbst als der neue (sonderbare) Schüler Andrej Tschichatschow in die Klasse kommt, hat er keine Lust sich mit ihm anzufreunden. Sobald die Schulferien beginnen, steht er dann komplett alleine da. Seine Mutter ist auf Entzug, sein Vater fährt für zwei Wochen in den Urlaub mit der Assistentin. Für die Zeit alleine zu Hause lässt der Vater dem Sohn 200,00 € da. Der neue Schüler mit Spitznamen Tschick hatte entdeckt wo Maik wohnt und lässt trotz mehrmaligen Abweisungen nicht von Maik ab. Am Ende schafft er es sogar Maik davon zu überzeugen mit ihm in einem gestohlenen Lada (russischem Geländewagen) in die Walachei (Rumänien) zu fahren. Und so beginnt ein wilder Roadtrip.

Hier gibt es eine sehr gute, ausführliche Inhaltsangabe zum gesamten Plot.

Meine Gedanken zum Roman Tschick

Tschick ist in meinen Augen ein moderner Klassiker im wahrsten Sinne. Zehn Jahre nach Erscheinen ist es mir endlich gelungen den Roman von meiner Leseliste zu streichen. In kurze Kapitel gegliedert, lässt sich Tschick wunderbar in kleinen Häppchen lesen, wie wir es über den ganzen Monat Januar im Buchclub gemacht haben. Ich war sofort in der Geschichte drin und störte mich nicht an der besonderen Sprache (wie manche Buchclub-Mitglieder). Ganz im Gegenteil war der Sprachstil überraschend authentisch und amüsant für mich. Mit Wörtern wie „Scheiße“ und „Arschloch“ wurde nicht gespart, 14-jährige sprechen eben so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist (heute würden Maik und Tschick vermutlich zueinander „Bro“ sagen).

Aber nicht nur die Sprache ist amüsant auch die Dinge, die den beiden Jungs, die mit der Zeit Freunde werden, passieren. Allein die Tatsache, dass zwei minderjährige in den „Urlaub“ fahren ohne Führerschein mit jede Menge Tiefkühlpizza im Auto (die natürlich nicht lange tiefgekühlt bleibt) ist schon kurios.

„Mein Arm hing aus dem Fenster, mein Kopf lag auf meinem Arm. Wir fuhren Tempo 30 zwischen Wiesen und Feldern hindurch, über denen langsam die Sonne aufging, […] und es war das Schönste uns Seltsamste, was ich je erlebt habe. Was daran seltsam war, ist schwer zu sagen, denn es war ja nur eine Autofahrt, und ich war schon oft Auto gefahren. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man dabei neben Erwachsenen sitzt, die über Waschbeton und Angela Merkel reden, oder ob sie eben nicht da sitzen und niemand redet.“

Es ist wunderschön die beiden Protagonisten auf ihrer Reise zu sich selbst zu begleiten, wie es sich für einen Entwicklungsroman gehört. Mit Vorurteilen wird aufgeräumt und das Leben in vollen Zügen genossen. Maik kehrt nach zahlreichen Straftaten und mit kaputtem Knie von einer Reise zurück, die ihn stärker macht und sein Menschenbild noch einmal überdenken lässt.

„Kein Unfall, keine Behörde und kein physikalisches Gesetz konnten uns aufhalten. Wir waren unterwegs, und wir würden immer unterwegs sein, und wir sangen vor Begeisterung mit, soweit man bei dem Geklimper mitsingen konnte.“

Was mich besonders betroffen machte, war die Tatsache, dass ich erst nach der Lektüre erfuhr, dass sich der Autor Wolfgang Herrndorf selbst das Leben genommen hat, Grund dafür war wohl sein unheilbarer Gehirntumor.

Meinungen der Buchclub-Mitglieder

Die durchschnittliche Sternebewertung der Buchclub-Mitglieder für den Januar-Titel Tschick lag bei 3,8 von 5 Sternen.

Vicky sagt: „Zweimal gelesen, zweimal bestens unterhalten, zweimal in einem Stück gelesen und zweimal mit den Figuren gelacht, aber auch gelitten: 5 Sterne!“

Isabel sagt: „Unheimlich schön geschrieben und ich kann es mir lebhaft vorstellen im Lada mit den Beiden im Kornfeld zu sitzen!“

Romana sagt: „Kernbotschaft ist für mich die notwendige Toleranz anderen gegenüber. Maik beschreibt anfangs immer ganz unverblümt und mit vielen Vorurteilen neue Personen im Buch. Meistens kommt er aber immer wieder selbst drauf, dass diese Menschen nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen.“

Barbara sagt: „Ich fand es spannend, dass es mit dem Ende beginnt!
2 Seiten hatte ich Probleme mit dem Schreibstil, aber dann hatte ich keine Schwierigkeiten mehr.“

Julia sagt: „Ich finde das Familienkonstrukt beider Jungs total spannend. Beide leben in völlig unterschiedlichen Familien und sind völlig unterschiedlich vernachlässigt. Aus Tschick ist jemand geworden, der eine Mauer aufgebaut hat und draufgängerisch und selbstbewusst wirkt geworden. Maik wirkt eher schüchtern und grenzt sich selbst aus, indem er sich nicht am sozialen Leben beteiligt. Für ihn ist seine Familienkonstellation außerdem so normal, dass er darüber schreibt und sich nichts dabei denkt. Tschick ist total bewusst, dass er in einer nicht normalen Familie aufwächst und er kokettiert eher damit. Diesen Unterschied finde ich total spannend.“

Paulina sagt: „Finde es echt erstaunlich wie viele Leser begeistert sind von dem Buch. Ich hab wirklich Mühe mich zu motivieren es weiter zu lesen. Vielleicht ist das Genre einfach nichts für mich.“

Die schönsten Zitate aus Tschick

  • „Minutenlang schauten wir einfach nur. Kleinere, hellere Wolken flogen unter den schwarzen hindurch. Blaugraue Schleier liefen über die entfernten Hügelketten. Die Wolken hoben sich und kamen wie eine Walze auf uns zu.“
  • „Und kannst du dir vorstellen, irgendwo da oben, auf einem diese Sterne – ist es jetzt genau so.“
  • „Wir sind Adel auf dem Radel. Wir fahren von Gut zu gut.“ – „Wir sind Automobilisten. […] Proleten auf Raketen.“
  • „Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten kuckte: der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV guckte: der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.“
  • „Ich glaube, er wäre wahnsinnig gern Schauspieler geworden oder Kabarettist. Aber es hatte nur zum Arschloch gereicht.“
  • „Das ist alles egal. Was nicht egal ist: bist du glücklich damit? Das. Und nur das.“

Der Film zum Buch:

Ich habe die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde Gutenberg gelesen mit Illustrationen von Laura Olschok. Hier geht’s zum Buch.

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