Rezension // Neujahr von Juli Zeh

Erster Erster. Erster Erster. Mit neuen Vorsätzen geht es ins neue Jahr, nicht nur für den Protagonisten Henning, sondern auch für mich. Neujahr von Juli Zeh war mein vorletztes Buch im letzten Jahrzehnt, alle gelesenen Bücher des Jahres 2019 habe ich kürzlich für euch veröffentlicht, aber jetzt geht es erstmal weiter ins Neujahr.

Inhaltsangabe zu Neujahr von Juli Zeh

Henning wollte unbedingt die Tage über Weihnachten und Neujahr auf Lanzarote mit seiner Familie verbringen. Auf der Insel sollen seine Neujahrsvorsätze gleich von Tag eins an geltend gemacht werden. Doch da passiert mehr! Eine böse Erinnerung aus der Vergangenheit taucht wieder auf, während er einen Berg Richtung Femés mit dem Fahrrad erklimmt. Aber nicht nur das, er wird außerdem ständig von ES (Panikattacken) heimgesucht und das stellt seine Beziehung zu Frau Theresa und den Kindern auf eine harte Probe.

Meine Gedanken zum Roman Neujahr

Der Spiegel schreibt: „Juli Zeh hat einen psychologischen Roman wie aus dem Baukasten geschrieben, mit allen dazu nötigen Komponenten: akute Ängste, verdrängte Erinnerung, Kindheitstrauma, Auflösung.“ (Wolffheim 2018)

Tatsächlich ist der nur 190 Seiten schmale Roman sehr strukturiert aufgebaut. Im ersten Teil begleiten wir den Protagonisten Henning beim Aufstieg mit dem Fahrrad und lernen ihn über seine Gedanken, sein Kopfkino kennen. Er führt ein gutes Leben, ist gelegentlich mit seiner Vaterrolle überfordert und kämpft mit ganz normalen Problemen und Ängsten. Bis auf seinen ständigen (ungewünschten) Begleiter ES. Im zweiten Teil des Romans habe ich am eigenen Leibe Angstzustände bekommen. Es wird beklemmend, fast unmöglich weiterzulesen. Henning erreicht an diesem Neujahrstag mit dem Fahrrad sein Ziel und ist zu Gast im Haus einer Künstlerin, die Steine bemalt wie seine Mutter früher (siehe Cover!). Dieses Haus löst eine alte Kindheitserinnerung aus: Er und seine Schwester Luna sind als Kleinkinder in ebendiesem Haus und ganz auf sich allein gestellt. Für Tage! Wie verbringen zwei kleine Kinder die Zeit in einem Ferienhaus ohne Eltern? Der Roman wird zum Psychothriller!

Ich wollte schon lange einen Roman von Juli Zeh lesen und habe mich schließlich für Neujahr entschieden, nicht zuletzt weil auf der Rückseite das Zitat „… vielleicht Juli Zehs bislang bestes Buch“ von Karin Janker (SZ) stand. Der Erzählstil hat mich auf ganzer Linie überzeugt, es hat Gefühle in mir hervorgerufen, die jenen des Protagonisten ähnelten und der Roman hat mich noch eine Weile beschäftigt. Es war bestimmt nicht das letzte Buch von Juli Zeh. 

Lieblingszitate aus Neujahr von Juli Zeh

„Schließlich kommt es im Leben immer und überall darauf an, ob etwas funktioniert, und solange alles funktioniert, muss man eigentlich auch nichts machen.“ (Zeh 2019, S. 25)

„Die Kinder suchen die besten Steine aus, Papa versucht, so viele wie möglich aufeinanderzustapeln. Dabei sagt er Wörter wie Statik, Schwerpunkt und Balance, Wörter, die im Mund ganz erwachsen schmecken, ein bisschen sperrig, aber gut.“ (Zeh 2019, S. 103)

„Henning sagt, dass frühe Erinnerungen oft auf Fotos oder Erzählungen beruhen. Man kann sie sogar erzeugen, indem man erwachsenen Menschen manipulierte Bilder aus ihrer Vergangenheit zeigt. Sie erinnern sich dann an Dinge, die gar nicht passiert sind. […] Sie reden lange über das menschliche Gedächtnis, über das Bewusstsein und die Frage, ob die Wirklichkeit mehr ist als die Summe aller Geschichten, die sich die Menschen andauernd selbst erzählen.“ (Zeh 2019, S. 183)

Weitere Besprechungen zum Titel:

Sueddeutsche.de I Spiegel.de I Literatur.blog

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