Aus der Retrospektive – 20.000 Meilen unter dem Meer von Jules Verne

„Es ist der getreue Bericht meiner höchst unglaublich anmutenden Expedition unter den Meeren, die Geschichte eines Ausflugs in ein Element, das dem Menschen heute noch verschlossen ist, das der Fortschritt aber eines Tages der ganzen Menschheit zugänglich machen wird.“ (zit. nach Verne 2014, 632)

Mit diesen Worten des Professor Aronnax endet die Geschichte rund um die Nautilus des Kapitän Nemo und eröffnet wohl seinen Bericht über die Reise. An diesem Punkt möchte ich ansetzen, da ich während der gesamten Geschichte wissen wollte, wie wohl die Gesellschaft der in der Geschichte beschriebenen Zeit auf diese Erzählung reagiert hätte. Doch das erfahren wir nicht, nur wir Leser erhalten die Schilderungen der Reise peinlich genau beschrieben.

Beginnen wir also am Ende der Geschichte. Sturm. Genaugenommen erfasste der Strudel des Maelstroms die als unzerstörbar geltende Nautilus und sie wird durch einen Sog in die Tiefe gezerrt. Professor Aronnax, sein treuer Begleiter Conseil und Ned Land können sich vor dem Unglück retten und entkommen somit auch ihrer Herberge auf Lebenszeit. Zuvor haben sie innerhalb sieben Monaten 20.000 Meilen unter dem Meer zurückgelegt, zahlreiche Naturphänomene unter Wasser gesehen, darunter einen Unterwasservulkan, sie sind unter einem Eisberg fast ums Leben gekommen durch Erstickung, haben die Technik der Nautilus erfahren – dies war meist dem Professor vorenthalten – und entdeckten selbst Atlantis. Einige Geheimnisse, die für Menschheit an Land noch als ungeklärt galten, wurden aufgeklärt und versunkene Schiffe fehlten natürlich auch nicht. Das Ganze hat etwas Magisches, von dem man sich wünschen könnte es würde tatsächlich so sein. Die Erkundung der Tier- und Pflanzenarten und deren Klassifizierungen gehörten für mich allerdings zu den langatmigeren und mühsameren Passagen.

Die wohl schönste Stelle für mich persönlich als Liebhaberin von Metaphern war „eine Perle ist für den Dichter eine Träne des Ozeans, für den Orientalen ein erstarrter Tautropfen, für die Damen ein meist länglich geformtes, herrlich schimmerndes Schmuckstück aus Perlmuttmaterie […]. Der Chemiker erklärt sie als eine Mischung aus Phosphat mit einem geringen Zusatz von Gelatinestoffen und für den Biologen ist sie nur eine krankhafte Absonderung des Organs, das bei gewissen zweischaligen Muscheln Perlmutt erzeugt.“ (zit. nach Verne 2014, 320)

Die Leidenschaft zum Meer des Kapitän Nemo steht im Gegensatz zu seinem Hass Gegenüber der Zivilisation auf Erden, so schwärmt er an einer Stelle:

„Ist das Meer nicht mit einem Lebewesen vergleichbar? Geht es nicht, wie wir, abends zur Ruhe und wird durch die Sonne wieder geweckt, die ihm jeden Tag neues Leben schenkt? Es ist höchst interessant, den Kreislauf seines Organismus’ zu verfolgen.“ (zit. nach Verne 2014, 201)

Wie sind allerdings die 3 Protagonisten auf das U-Boot gelangt? Wie funktioniert dieses Leben vollkommen abgeschottet von der Welt und wovon ernährt sich die Bordbesatzung?

Dies und viele weitere Fragen klären sich beim Lesen und dem entkommt man nicht, wenn man 20.000 Meilen in seiner vollkommenen Faszination erleben möchte.

Meine Ausgabe:

Verne, Jules: 20.000 Meilen unter dem Meer. Mit Illustrationen der französischen Originalausgabe, nach der deutschen Übersetzung des A. Hartleben’s Verlages, 2. Auflage, Hamburg 2014.

http://shop.wagnersche.at/product/4099276460848849350/Buecher_Science-Fiction//20000-Meilen-unter-dem-Meer

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