Ein Essay – Der [Glücks]klee

Der [Glücks]klee
Würden wir das Glück tatsächlich besitzen, so würden wir es wohl kaum verschenken. Und wenn einer unter uns weilen sollte, der die aufrichtige Absicht besitzt es herzugeben, so wäre der Beschenkte wohl kaum imstande, es zu verinnerlichen. Wer einen Glücksklee geschenkt bekommt, klemmt ihn in den meisten Fällen in ein Buch ein, welches ihn austrocknen lässt und völlig platt drückt. Eine tolle Geschenkidee wäre hierbei für jemand ganz besonderen in der Gärtnerei einen Glücksklee zu kaufen. Dabei sollte man das Geburtstagskind jedoch relativ gut kennen, da die Begeisterung für das Geschenk abhängig von der Lebenseinstellung sein kann. Jemand, der von Geschenken überhäuft wird, wird kaum dessen Wert erkennen und die Pflanze verwelkt. Ein Realist wird kurzerhand herausfinden, dass der Glücksklee, auch Oxalis tetraphylla genannt, kein echter Klee ist und die Namensgebung als Marketingstrategie abtun. Ein Optimist hingegen, wird zu Tränen gerührt sein und es als ein gut überlegtes Geschenk sehen, mit einer ganz besonderen Bedeutung.
Ein echtes vierblättriges Kleeblatt findet man eher selten. Sie haben schon einmal eines gefunden? Gratulation, denn die Wahrscheinlichkeit beträgt laut Untersuchungen eins zu zehntausend. Wie lange mussten Sie danach suchen? Lange? So ein Pech, vierblättrige Kleeblätter bringen nur Glück, wenn sie zufällig gefunden werden. Doch den Zufall gibt es gar nicht. Also war es Schicksal. Aber warum soll so ein Stück Gras Glück bringen? Die Legende sagt, dass Eva ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies mitgenommen hat und somit ein Stück Paradies besaß. Ist das wiederum nicht illegal? Kann das Glück bringen? Genau betrachtet sind Klees gewöhnlich dreiblättrig. Ein vierblättriges Kleeblatt ist folglich eine, aufgrund einer Mutation entstandene, Missbildung. Im Garten ist es Unkraut und für Rinder kann es als Nahrungsmittel giftig sein. Wo bleibt hier dann die Romantik?
Wir dürfen nicht darauf warten, dass uns ein vierblättriges, wildwachsendes Kleeblatt geschenkt wird bzw., dass wir nach zehntausend Niederlagen erst eines finden. Sobald es dann da ist, versuchen wir es für die Ewigkeit zu konservieren. Lassen Sie es wachsen, anstatt es zu pflücken, lernen Sie es wertzuschätzen und glauben Sie an die Magie des Glücks und nicht an seine Seltenheit. Nur wer glaubt, kann sich glücklich schätzen, glaube ich jedenfalls.

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