Buchclub // Leserunde zu Der Buchspazierer von Carsten Henn

Die Anforderung an unser März-Buch im Buchclub lautete: Es sollte leicht lesbar sein. Nachdem wir im Januar den Essayband Schwierige Frauen* von Roxane Gay gelesen, im Februar das 500+ Seiten starke Sachbuch Erzählende Affen* von El Ouassil und Karig verschlungen hatten und in der Welt grade schlimme Nachrichten kursierten, wollten wir ein „Wohlfühlbuch“ lesen. Genau das war auch das Thema des Romanes: Die zwei Protagonist*innen versuchen ihren Kund*innen genau das Buch zu empfehlen, welches sie gerade brauchen.

Am Ende des Blogbeitrags findet ihr einige Zitate aus dem Roman.

Inhaltsangabe zu Der Buchspazierer von Carsten Henn

Carl Kollhoff ist Buchhändler mit Leib und Seele und lebt jeden Tag nach seiner Routine. Dazu gehört auch ein Spaziergang auf dem er in seiner Heimatstadt (die er seit 34 Jahren nicht verlassen hat) den Kund*innen der Buchhandlung Am Stadttor Bücher bringt, die sie bestellt haben. Verlässlich bringt er ihnen genau das was sie an Büchern haben wollen. Andrea Cremmen möchte stets Bücher ohne Happy End, richtig schön dramatische Stoffe in denen die weibliche Hauptfigur litt. Dies führte auch dazu, dass Kollhoff ihr gedanklich den Namen der Romanfigur Effi Briest gab. Nicht nur Frau Cremmen wurde eine Romanfigur zugeteilt, so machte er es mit allen Kund*innen. Eines Tages begegnet ihm das 9-jährige Mädchen Schascha, das ihn unbedingt auf seinen Spaziergängen begleiten möchte und alles auf den Kopf stellt.

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Meine Gedanken zum Roman

Der Roman ist auf jeden Fall etwas für Buchliebhaber*innen, die die zahlreichen Referenzen zu Klassikern der Weltliteratur zuordnen können und eine süße, kurzweilige Geschichte lesen möchten. Dem Plot liegt eine kleine Heldenreise zu Grunde: dem Buchhändler Carl Kollhoff wird ein junges, kluges, aufgewecktes Mädchen als Begleiterin zur Seite gestellt. Genau diese Begleiterin gibt den Roman den frischen Drive und dem Leben von Kollhoff auch. Andere Figuren wiederum (so Kollhoffs Chefin Sabine Gruber) zeigen keinerlei Entwicklung auf die man als Leser*in vielleicht gehofft hatte. Sie will den persönlichen Buch-Service einstellen, kündigt Kollhoff und lässt ihn nicht mal zur Beerdigung ihres Vaters – seines früheren Chefs und Freund – kommen. An manchen Stellen wirkt die Erzählung ein bisschen konstruiert (ist aber ok!), das Bild des / der Buchhändlers / Buchhändlerin romantisiert und Trigger-Themen wie häusliche Gewalt wird nicht der Raum gegeben, der ihnen gewährt werden müsste. Alles in allem, dennoch lesenswert! So empfanden es auch die Buchclub-Mitglieder.

Eine der Fragen, die der Roman den Leser*innen indirekt stellt, ist die mit welcher Romanfigur man sich selbst identifiziert. Ich habe nur kurz überlegen müssen: Scheherazade!

Lieblingstextstellen und Zitate aus Der Buchspazierer

„Der alte Gruber sagte immer: Es ist nicht wichtig, was man liest, sondern dass man liest.“

(Henn 2022, S. 14)

„Was im Fernseher für Kinder in ihrem Alter lief, ergab alles Sinn, und das langweilte sie schrecklich. Es kam ihr dann immer vor, als würde Die Welt gar keine Geheimnisse bergen, für deren Lösung es sich lohnte erwachsen zu werden.“

(ebd. S. 80)

„Der Unterschied zwischen einem Roman mit Happy End und einem ohne ist nur, an welchem Punkt man aufhört, die Geschichte zu erzählen.“

(ebd. S. 100)

„Warum gründen wir keinen Lesekreis? Ihr wisst schon, alle lesen gemeinsam ein Buch und reden darüber. Wie früher, als die Menschen gemeinsam ums Feuer saßen und sich Geschichten erzählten. Die Wärme dort mag sie in der Steinzeit zusammengebracht haben, aber die Geschichten haben sie erst zivilisiert.“

(ebd. S. 172f)

„Glauben brauchte viel Mühe, jeden Tag. Denn das wirkliche Leben neigte dazu, dem Glauben zu widersprechen.“

(ebd. S. 185)

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Kathi sagt:

    Für mich war der Buchspazierer zum lesen sehr schön. Es hat mich aus dem schweren Alltag komplett abgeholt und ich konnte für ein paar Stunden in eine andere unbeschwertere Welt eintauchen. Ich würde das Buch defintiv auch an Freunde weiterempfehlen, allerdings nicht an Leute die nur selten lesen dafür finde ich ist der Roman nicht so zugänglich.

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