Gedanken // Ich musste die Rute küssen von Rosa S.

Es ist ein Wahnsinn, was wir hier auf 103 Seiten lesen können – eine Frau wird als Kind von ihrer Mutter misshandelt, mit zehn Jahren vergewaltigt und dann von zahlreichen Totgeburten geplagt – nichts für schwache Nerven. Ich musste die Rute küssen, ist eine wahre Geschichte und ein Bestseller in Südtirol, weshalb auch ich mich der Lektüre widmete.

Inhaltsangabe zu Ich musste die Rute küssen

Rosa wächst als uneheliches Kind auf dem Bauernhof auf und wird von ihrer Mutter regelmäßig geschlagen – mit der Rute.

„Einmal, so kann ich mich erinnern, habe ich an so einem Tag im Bett auf Mama gewartet und mich auf sie gefreut. Denn trotz allem habe ich meine Mama lieb gehabt. Man sagt ja immer, Kinder lieben ihre Peiniger. Und das stimmt wirklich. […] Doch bei ihrem Anblick wäre mir beinah das Herz stehen geblieben. Sie hielt eine riesengroße Rute in der Hand […]“ (S. 30)

Als sie später in die Stadt zieht, beginnt dort ein neues Leben für sie mit einem Mann. 1960 bekommt sie mit 22 Jahren ihr erstes Kind und zwei Jahre später hatte sie ihre erste Fehlgeburt:

„Der Arzt hatte mir schon gesagt, es wäre besser, ein paar Jahre zu warten. Aber mein Mann hat sich in dieser Sache nichts sagen lassen. Für ihn hatten Frauen keine Rechte. Sie gehörten ins Bett oder hinter den Herd.“ (S. 49)

Insgesamt war Rosa S. SIEBEN Mal schwanger und zwei Kinder sind davon lebend geboren – unvorstellbar, was diese Frau aushalten musste. Auch, dass sie später zum Arzt ging und sagte „ich glaube, ich spinne“, ist gut nachvollziehbar. Die Liebe zu ihren Kinder und später ihren Enkelkindern, wie sie sagt, hat sie immer am Leben erhalten, deshalb auch der Untertitel: Mein Blick zurück ohne Verbitterung.

Meine Gedanken zum Roman

Rosa S. hat für sich ein Pseudonym gewählt, schon als sie erstmals in einer Radiosendung  offen über ihr Schicksal sprach. Im Anschluss an die Sendung haben viele ZuhörerInnen angerufen und gefragt, ob man ihre Lebensgeschichte irgendwo nachlesen könne. Die Kinder der Betroffenen haben sich dann dazu entschlossen die Aufzeichungen dem Verlag zur Verfügung zu stellen, in der Hoffnung anderen Betroffenen Mut zu machen. Und ich sage eines: Chapeau und vielen Dank für das Teilen dieser Erfahrungen! Ich war nach der Lektüre so berührt, dass ich sogleich ein YouTube-Video gedreht habe. Zu meiner größten Überraschung hat sich der Sohn von Rosa S. bei mir persönlich in einer Mail für meine Worte zum Buch bedankt: „[…] Und wenn ich jetzt sehe, welche Entwicklung dieses Buch nimmt, welche Reaktionen es hervorruft, welche Freude und auch Zufriedenheit nun meine Mutter hat, dann bin ich immer wieder aufs Neue berührt.“ GÄNSEHAUT PUR!

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Edition Raetia zur Verfügung gestellt.

Hier geht’s zum Buch.

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