Rezension // Traurige Freiheit von Friederike Gösweiner

Du bist noch keine 30 Jahre alt, bist zurzeit auf Jobsuche und am obendrauf noch frischer Single? Dann ist dieser Roman nichts für dich, denn er erzählt von dem recht unangenehmen Lebensabschnitt der jungen Hannah, die in Berlin vergeblich auf ein besseres Leben hofft. Mit Sicherheit spricht der Roman vielen jungen Menschen aus der Seele und an manchen Stellen wird man sich auch selbst erkennen, doch nach der Lektüre ist mir ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen.

Inhaltsangabe zu Traurige Freiheit von Friederike Gösweiner

Hannah und ihr Freund Jakob werden sich einfach nicht einig. Hannah möchte für zwei Monate nach Berlin, um ein Volontariat als Journalistin zu machen, doch Jakob möchte seine Freundin nicht loslassen. Sie diskutieren, streiten, schweigen und kommen zu keiner Einigung. Hannah trifft schließlich die Entscheidung doch aufzubrechen und lässt Jakob und ihr Beziehung zurück. In der Großstadt angekommen erfährt sie nach ihrem Volontariat die große Ernüchterung – es scheint keinen Platz für sie in Berlin Redaktionen zu geben. Auch ihre beste Freundin Miriam, die kurz vor Hannahs Ankunft in Berlin als Korrespondentin nach Russland geholt wurde, kann ihr kaum weiterhelfen. Alles was Miriam für Hannah tun kann, ist ihr die Wohnung in Berlin zur Verfügung zu stellen. Nach vielen erfolglosen Bewerbungen wird Hannah Kellnerin bzw. Barista – wie sie ihren Eltern gegenüber sagt. In dem Kaffee in dem sie arbeitet, lernt sie den Dozenten Stein kennen. Von ihm erhofft sie sich eine Vermittlung eines Jobs, doch wird sie auch hier enttäuscht. Ihre Tage verbringt sie alleine in Miriams Apartment, vor ihrem Kellnerjob noch in der Bibliothek und schlägt die Zeit tot. Ab und zu schickt ihr Jakob noch ein „?“, um sich zu erkundigen wie es ihr geht – aber wie geht es Hannah? Sie hat in Berlin absolut niemanden, ihre beste Freundin ist nicht unmittelbar greifbar und ihr Ex schickt ihr irgendwann die letzten Erinnerungen in Form von Fotos und Stein ist der letzte Strohhalm der ihr bleibt.

Meine Gedanken zum Roman

Der Titel ist Programm. Traurige Freiheit ist nichts Anderes als einfach nur traurig. Jeder von uns hat heute jede Freiheit der Welt, um sich selbst zu verwirklichen. Wir können im Studium unseren Interessen nachgehen, die Stadt in der wir arbeiten möchten frei auf der Landkarte auswählen und komplett unabhängig sein. Die Erzählung zeigt das Negativbeispiel eines Lebens mit allen Möglichkeiten, obwohl sie so positiv beginnt: Hannah will aufbrechen, etwas Neues erleben und ist eine von hunderten Bewerbern, die das Volontariat bekommen hat. Dass ihr Freund sie dabei nicht unterstützt, hält sie nicht auf. Ich bin überzeugt viele von uns würden ähnlich handeln, angetrieben von dem Bedürfnis seine eigenen Träume unabhängig von jemand anderen zu Verwirklichen. Doch nichts in Hannahs Leben klappt. Hat sie zu wenig versucht, ist sie nicht gut genug? Diese Fragen können wir nicht beantworten, aber es könnte durchaus sein. Ihre Einsamkeit wird durch den Schauplatz Berlin und die Abwesenheit ihrer besten Freundin nochmals verstärkt. Die Freundschaft beschreibt die Autorin folgendermaßen: „Es war wie ein Nebeneinander-Hergehen, kein Einander-Umklammern oder –Festdrücken, sie berührten einander nicht, aber wenn sie den Blick zur Seite wandten, wussten sie, die andere war da, ganz in der Nähe, in Rufweite.“ – ein schönes Zitat, doch passt es nicht zu Hannahs aktuellen Situation. Ihre beste Freundin ist in Russland und nicht in unmittelbarer Nähe, die Miriams Handynummer kennt sie auch nicht auswendig, was also wenn sie im Krankenhaus ist und kein Akku am Handy? – lest selbst.

Zur Autorin Friederike Gösweiner

Friederike Gösweiner ist 37 Jahre alt, in Rum (Tirol) geboren und lebt als freie Lektorin und Journalistin in Tirol. Ob der Roman autobiografische Züge hat? Vielleicht. Traurige Freiheit ist ihr erster Roman, der für die jährliche Innsbruck liest-Aktion auserkoren wurde, bei der 10.000 Exemplare in ganz Innsbruck verschenkt werden.

Hier geht’s zum Buch.

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