Rezension // Totenrausch von Bernhard Aichner

Wow. Ich habe in einer Woche alle Bände der Blum-Trilogie voll Anspannung gelesen. Die Erzählung des druckfrischen Thrillers Totenrausch brennt sich ganz langsam ins Gedächtnis ein, wie das Brandmal auf der Haut. Es tut eine Zeit lang weh, doch am Ende weiß man: ‚alles wird gut‘ – es ist nur Text auf Papier.

Inhaltsangabe zu Totenrausch von Bernhard Aichner

Band 2 endet damit, dass Blum den irren Ingmar (fast) in der Wohnung des Künstlers Kuhn überwältigt. Sie hat ihn gefesselt und aus ihm die Wahrheit über Björk, Alfred und Gertrud gepresst. Noch bevor Blum Ingmar ausschalten kann, unterstützt sie überraschenderweise Kuhn dabei und die Familie aus dem Luxushotel Solveig ist ausradiert.

Zu Beginn von Band 3 lässt es sich Blum mit ihren Kindern auf den Lofoten gut gehen. Die Kinder genießen die „quality time“ mit ihrer Mutter und alles scheint gut zu sein, doch die Kinder wollen zurück. Der monatelange Urlaub kann das Zuhause in Innsbruck nicht ersetzten, Karl nicht ersetzten, den Garten, Reza. Das Geld wird ebenso knapp und Blum weiß: sie muss zurück in das echte Leben. Deshalb stürzt sie sich mit Ihren Kindern in das nächste Abenteuer. Ein Truckfahrer nimmt sie mit nach Hamburg und gibt ihnen die Adresse einer Prostituierten, ein Schlafplatz fürs erste. Blum improvisiert, wie schon so oft, und tretet mit einem konkreten Angebot vor Egon Schiele – den Zuhälter Hamburgs: „Ich werde jemanden für dich umbringen. Dafür besorgst du mir die Pässe. Das ist der Deal!“ Bäm.

Blum lernt, dass im Leben nichts umsonst ist und sie für Fehler bezahlen muss. Mit dem vierfachen Einsatz. Sie muss an ihre absoluten Grenzen gehen und verliert nicht nur ihren geliebten Schwiegervater Karl, sondern auch ihre Kinder. Vorübergehend.

Meine Gedanken zum Thriller (enthält Spoiler!)

Die Adoptiveltern, der Fotograf, der Priester, der Koch, der Schauspieler, der Clown, Gonzo, der Steuerberater, Schieles Schwester… es könnte Arya Starks (Game of Thrones) Liste sein, doch tatsächlich ist Blum in ihrem Hamsterrad gefangen und tötet um das Überleben. Es ist nach wie vor erstaunlich wie Bernhard Aichner eine klassische Mutterfigur mit einer Mörderin in seiner Protagonistin Brünhilde Blum vereint – eine Medea der Moderne? Eine Figur, der wir alle ein Happy End wünschen.

Schauplatz in Totenrausch ist das wunderschöne Hamburg. Die kurzen Kapitel schicken den Leser atemlos durch die Stadt und die Dialoge sind nach wie vor kurz und prägnant, ja teilweise richtig charmant. Die Handlung ist voll von Überraschungen und Wendungen. Blum trifft falsche Entscheidungen, möchte sich von ihrer Rolle befreien, doch sie begegnet dem Bösen in Persona. Fragen wie Wer hat es verdient zu sterben? Was sind Prostituierte wert? werden im Thriller zwischen den Zeilen aufgeworfen. Fragen, die die Grenzen unserer Moral unglaublich ausreizen. Totenrausch ist gewaltig, doch lässt die Reihe den Leser am Ende nicht allein. Wir können beruhigt die drei Bände in unser Regal stellen.

Zum Autor Bernhard Aichner

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Künstler in Innsbruck. Er beschäftigte sich immer gerne mit dem Tod und hat bereits ein Praktikum in einem Bestattungsunternehmen gemacht. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Totenhaus ist der zweite Teil der Trilogie um Bestatterin Brünhilde Blum.

Mehr zum Autor unter: www.bernhard-aichner.at

Der druckfrische Band 3 Totenrausch ist offiziell am 9. Januar 2017 erschienen. Nicht verpassen: Am 11. Januar findet eine Lesung mit Bernhard Aichner im Treibhaus statt, organisiert von der Wagnersch’en Buchhandlung. Hier geht es zur Veranstaltung.

Hier geht es zur Rezension von Band 1: Totenfrau.
Hier geht es zu Rezension von Band 2: Totenhaus.

Der Thriller wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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