Champagner s’il vous plaît – mein erster Nothomb

36 Stunden fasten – Champagner. Signierstunde – Champagner. Erstes Treffen mit Pétronille – Champagner. Kurztrip nach London – Champagner. Skifahren in den Alpen – Champagner, während dem Skifahren selbstverständlich.

Amélie Nothomb, Autorin und Protagonistin des Romans Die Kunst Champagner zu trinken, (org. Pétronille) ist auf der Suche nach einer Saufkumpanin oder besser gesagt nach einer Kumvine, etymologisch abgeleitet vom Wort Wein und nicht von pan für Brot. Anfangs ergötzt sich die Schriftstellerein noch alleine an dem Getränk:

Ich hatte ihn [den Champagner] mit größter Ehrerbietung empfangen und in mir aufgenommen wie einen hohen Gast, dafür überhäufte er mich mit seinen Wohltaten; bis zum finalen Schiffbruch gab es nichts was keine Gnade war. Hätte Odysseus den edlen Leichtsinn besessen, sich nicht am Mast festzubinden, er wäre mir dorthin gefolgt, wo mich die äußerste Macht dieses Elixiers hinzog, er wäre mit mir in die Tiefen des Meeres getaucht, eingelullt vom blonden Gesang der Sirenen (Nothomb 2016, S. 9).

Zu ihrer großen Freude lernt Amélie bei einer Signierstunden Pétronille kennen, mit der sie bereits Briefkontakt hatte und die 4 Jahre nach ihrer ersten leiblichen Begegnung doch noch zu Ihrer Trinkschwester werden sollte. Sie beide verbindet das Schreiben, Pétronille veröffentlicht einige Romane, wie Amélie auch und sie schätzen gegenseitig ihre Werke. Ihre Freundschaft kommt immer wieder zum Stillstand durch längere Pausen und Funkstille, doch lebt sie am Ende von der Spontanität. Amélie reist zum Beispiel nach London und kann ihre Freundin davon überzeugen vorbeizukommen. Genauso spontan ist der Skiausflug in die Alpen, von dem sie mit einem Krankenwagen wieder nach Paris zurückgebracht werden.

Die Geschichte ist in Teilen skurril, genauso wie Pétronille. Nachdem es anfangs noch so scheint, als fühle sich Amélie in der Welt verloren, ist es am Ende ihre Freundin. Die Beschreibungen zu Pétronille sind lückenhaft und stellen exakt dar, wie sich wohl auch Amélie fühlt, die in einigen Momenten ihre Freundin nicht versteht. Männer oder Liebschaften werden kaum thematisiert, es gibt nur sie zwei, wenn auch mit Blackouts, wie es nach einem Rausch üblich ist. Das Klischee von schlecht verdienenden SchriftstellerInnen, die einen Hang zum Verrücktsein haben wird von Nothomb genauso bestätigt wie, das Klischee, dass sie gerne trinken würden. Veuve-Clicquot, Louis Roederer, Perrier-Jouet, Laurent-Perrier, Piper-Heidsieck… wer nach diesem Roman nicht mindestens 3 Champagnermarken kennt, hat nicht gut aufgepasst. Pétronille wäre meiner Meinung auch ein passender Name für das flüssige Gold.

Besonders an dem Roman sind die zahlreichen Eigenreferenzen. Immer wieder erwähnt Nothomb ihre existierenden Werke im Roman: Mit Staunen und Zittern, Reality-Show, Liebessabotage – Intertextualität wird hier ganz großgeschrieben. Pétronille muss dann wohl Stéphanie Hochet (französiche Journalistin) sein, dessen Werke dieselben oder ähnliche Namen tragen, wie im Buch genannt (Bsp. La distribution des lumières wird im Roman zu Pétronille Fantos letztem Werk La Distribution des ombres).

In seiner Gesamtheit ein guter Roman, sehr spannendes Ende, doch an Witz hat es mir manchmal gefehlt. Trotzdem wird es nicht mein letzter Nothomb bleiben.

Die wichtigsten Eigenschaften einer Saufkumpanin zusammengefasst:

  1. Vertrauen, da man in einem Rausch gerne auch Geheimnisse ausplaudert
  2. Das Schätzen eines guten Tropfens
  3. Vom Wein lustig werden, weil das schließlich der Sinn des Ganzen ist

(vgl. Nothomb 2016, S. 112)

Hier geht’s zum Buch.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. ChezJuli sagt:

    Schönen Rezension. Die erwähnten Eigenschaften sollte man sich, bei der Auswahl seiner engeren Freunde, unbedingt zu Herzen nehmen!
    Liebe Grüße
    | Juli |
    http://www.chezjuli.de

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