Die inneren Stimmen als tägliche Begleiter – Frieda und James Bond von Reinhilde Feichter

Dieser kleine aber feine Roman der Südtiroler Autorin Reinhilde Feichter erzählt die Geschichte einer Step by step-Emanze, die den täglichen Konflikt zwischen ihren Inneren Stimmen erlebt: Frieda und James Bond. So ganz vergleichbar mit Engelchen und Teufelchen ist es nicht, denn es gibt nicht wirklich eine gute und eine schlechte Partei. Frieda ist für das „Friedeln“ verantwortlich – laut Emeli (Protagonistin) eine besondere Verhaltensart. In Ihrem Dorf war Frieda (Emelis Großtante) eine Koryphäe im „Friedeln“, daher auch der Name. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass sich die Frauen sehr unterwürfig, bescheiden und aufopfernd verhalten. Alles ist immer nur „recht gut“ und Sätze wie „… weißt wohl, was denken da die Leute…“ halten alle Dorfbewohner im Zaum. James Bond hingegen, will Emeli zu einer emanzipierten, starken, selbstbewussten Frau machen, indem er ihr zuflüstert, wie sie in bestimmten Situationen mit Sicherem Auftreten punktet. Es ist ein langer Weg, bis Emeli zu der selbstsicheren Frau wird, dafür muss sich James Bond ordentlich ins Zeug legen. Mit der „leck mich doch“-Mentalität funktioniert es dann schlussendlich.

Allgemein können wir die Entwicklung der Protagonistin vom Teenager-Alter bis hin zur Erwachsenen Frau miterleben. Emelie absolvierte die Oberschule um Lehrerin zu werden, kaufte sich ein Auto, liebte den Fasching, reiste nach München und die Türkei und machte skurrile Begegnungen mit Männer.

Der Roman ist in ganz kurze Kapitel aufgeteilt, viele Ereignisse werden Anekdoten-artig erzählt. Ich hätte mir verstärkt einen erzählenden Charakter gewünscht, da die Kapitel sehr kurz und stark voneinander abgehakt sind. Oft braucht es aber nicht viele Worte, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Vieles erinnert an die frühen Traditionen in den Familien in Südtirol, für eine/n Südtiroler oder Südtirolerin gut nachvollziehbar. Es stellt die Personen teils klischeehaft, teils naiv dar – aber so waren sie auch nach den 1960ern. Das „Friedeln“ ist auf jeden Fall eine wunderbare neue Wortschöpfung und definitiv ein erstklassiges Leitmotiv für den Roman – jede von uns wird sich darin manchmal wiederfinden. Ob es das auch für Männer gibt? Etwa ein „Franzeln“?

Hier geht’s zum Buch. 

Oder hier direkt beim Verlag.

 

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