Mein Arbeitsplatz: „Un bonne auberge“

Geschichte zum Hotel „Goldener Adler“ von Andreas Raffeiner, herausgegeben vom Geschichtsverein Brixen.

Da ich doch einen beträchtlichen Anteil meiner Zeit bei der Arbeit verbringe, habe ich mir gedacht, ich könnte doch auch die Geschichte des Hauses, in dem ich ein Teil des Rezeptionsteams bin, vorstellen. 2014 ist dazu nämlich ein tolles Buch erschienen, das die Geschichte des ältesten Gasthauses in Brixen mit Katasternummer 1 und der Stadt Brixen, erzählt. Niemand Geringeres als Michel de Montaigne und Kaiser Max I.  zählten auch zu den Gästen des Goldenen Adler. 

Selten können Hotels auf eine so lange Tradition zurückblicken – ein halbes Jahrtausend ständig im Dienste des Gastes.

Jedes Zeitalter schafft etwas für die Menschheit – wichtig ist, dass die Menschheit das Geschaffene erhält. Kleine und große Dinge, Bauten, die von gestern erzählen und trotzdem in der heutigen Zeit leben. Im „Goldenen Adler“ kann man das Leben längst vergangener Tage spüren…

 1500 Erste Aufzeichnungen zum Goldenen Adler als Gaststätte. Ulrich Halbegg, Bürgermeister der Stadt Brixen und zwei Jahre später Ruprecht Halbegg, sind die Gastgeber des Hauses zu jener Zeit.

 1520 sucht eine Überschwemmung die Stadt Brixen heim und in den Erinnerungen aus jener Zeit steht geschrieben: „…das Ruepert Halbegg Haus am Gulden Adler hat es halbes über den Haufen geworfen…“

 Kaiser Max I. zählt zu den Gästen dieses Hauses. Mitsamt seinem Gefolge soll er in der historischen Stätte übernachtet haben. Auch Karl V. soll hier gewesen sein.

Laut der im Jahre 1523 festgelegten Stadtssteuer besteht der „Goldene Adler“ der Halbeggs aus 2 Häusern. Aus einem Hausbrief von 1555 geht hervor, dass Juliane Halbegg das mittlerweile aus 3 Behausungen bestehende Gebäude an Augustin Beeseen aus Torbl am Gartsee (Torbole am Gardasee?) verkauft hat und dieser weiter an Hans Kienhuber.

 1579 Hans Kienhuber verstirbt jedoch und Melchior Peisser vermählt sich mit der Witwe des Besitzers, mit Maria Kienhuber. Die Peisser stammen vom Peisserhof in Oberau bei Franzensfeste. Ein Zweig davon kam nach Brixen, wo sie bald in die Dienste des fürstbischoflichen Hofes traten.

 1580 ist der französische Schriftsteller und Philosoph Michel de Montaigne Gast im Goldenen Adler der Peisser. Er schrieb in seinem Buch „Le voyage en Italie“: er habe in Brixen, einer „Trés belle ville“ (einer sehr schönen Stadt) in einer „bonne auberge“ (einer guten Herberge) übernachtet!

 1582 haben die Wirtsleute auch die Ehre, das Gefolge des Erzherzogs Ferdinand auf dem Weg nach Parma zu bewirten.

 1651 reist die künftige Gemahlin des Kaisers Ferdinand III, Eleonora von Mantua, mit einem Gefolge von 800 Personen übers Pustertal nach Wien und Hans Peisser macht diese Eintragung am 31.03.1651 in seinem Kalender.

 1659 kehrt der venezianische Gesandte Nani im Hause ein und

 1667 beehrt Erbprinz Cosimo von Medici die Wirtsfamilie Peisser.

Die Peisser behalten die Gaststätte bis ca. 1716. Durch die Tätigkeit am Hof wird die Familie 1716 mit dem Prädikat von und zu Peissenau geadelt und gibt somit das Gastgewerbe auf.

Laut Hofarchiv ist 1745 Michel Bergmeister Wirt am „Goldenen Adler“, eine Urkunde von 1772 deutet auf den Verkauf des Anwesens durch Johann Perkmeister hin.

 1757 und 1758 wird Brixen erneut von heftigen Überschwemmungen heimgesucht und die Adlerbrücke ganz zerstört. Nach dieser Katastrophe wird die Statue mit dem Wasserschutzheiligen Johannes Nepomuk errichtet.

 1829 Anna Leichter, verehelichte Schrott, kauft das aus 3 Behausungen zusammengesetzte Gebäude, genannt „Zum Goldenen Adler“.

Von 1842 bis 1915 bleibt der Adler ausschließlich im Besitz der Familie  Augscheller.

 1854 wird beim Bau des Schlachthauses der alte Saal abgebrochen, 1881 wird der neugebaute Saal wiedereröffnet.

 1932 kauft laut Grundbuch Rudolf Knoflach, Schweinmetzger in Brixen, den Adler.

 1988 – Der „Goldenen Adler“ gehört zu den frühesten namentlich bekannten Gasthäusern Brixens. Seit dem Jahr 1988 ist das Haus im Besitz von Familie Hermann und Maria Mayr, welche sich entschlossen haben, die langjährige Tradition der Gastfreundschaft wieder aufleben zu lassen. Im Dezember 1998 öffnet das neu renovierte Hotel „Goldener Adler“ seine Türen. Nach dem zweiten Baulos vom Herbst 1999 glänzt das Haus seit April 2000 bei seiner Neueröffnung mit 28 einzigartigen Zimmern, und wird wahrscheinlich auch in Zukunft bedeutende Geschichte schreiben.

2015

Beim Wettbewerb „Historischer Gastbetrieb 2015“ wurde der Goldene Adler mit der “Besonderen Auszeichnung“ prämiert.

„Der Goldene Adler ist mit seiner bis in die Obergeschosse reichenden mittelalterlichen Bausubstanz eine Besonderheit“, erklärt die Jury und ergänzt: „Es sollen aber auch die Bemühungen der Eigentümer gewürdigt werden, die in zeitgemäßen Um- und Erweiterungsbauten sowohl wirtschaftlich vernünftige, als auch denkmalpflegerisch verträgliche Eingriffe an diesem historisch wertvollen Baudenkmal durchführen ließen. Familie Mayr zeigt großes Verständnis für die Geschichte und den außerordentlichen Denkmalwert ihres Hauses und hat eine wirklich geglückte Umwandlung eines „alten“ Gasthofs in ein „neues“ Hotel ermöglicht, das den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht und dennoch den ursprünglichen Charakter weitgehend bewahren konnte.“

 

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