Self-Publishing: Der Weg zum eigenen Buch

Matthias (Matze) Daxer ist Deutsch und Geographie Student in Innsbruck, hat 2016 sein eigenes Buch bei Books on Demand herausgegeben und sich somit einen Kindheitswunsch erfüllt. Das Schmuckstück heißt „Unter allem liegt die Angst“, zwar ohne Seitenzahlen, aber zählt doch 180 Seiten. Das Thema ist hochaktuell: Angst und Hass.

Matze trifft man übrigens oft auf der Slammer-Bühne, aber das mit dem Self-Publishing wollte ich genauer wissen. Ein Buch herauszugeben ist anscheinend gar nicht so schwierig. Nachfolgend hat er mir ein paar Fragen dazu beantwortet…

Book Broker: Deinen Debütroman Unter allem liegt die Angst hast du im Eigenverlag herausgebracht. Welche Schritte gilt es dabei zu tätigen?

Matze: Zuerst sollte man natürlich das Manuskript schreiben und sichergehen, dass es genau in dieser Form veröffentlicht werden kann. Bei den meisten Self-Publish-Verlagen gibt es kein Lektorat, das das Buch vor der Veröffentlichung genau durchsieht und auf Fehler aufmerksam wird – Genauigkeit ist darum sehr wichtig, wenn man keinen freiberuflichen Lektor anstellen und trotzdem ein lesbares Buch veröffentlichen will. Über den Verlag, Vertragsbedingungen und bisherige Kundenerfahrungen sollte man sich auch gut informieren, seriöse Eigenverlage bieten dazu auch viel Hilfestellung auf ihrer Website oder sogar einen eigenen Kundenservice. Auch das Cover ist für den Verkauf extrem wichtig – wenn das Cover kein Interesse weckt, hilft auch der beste Klappentext nichts. 

Book Broker: Dein Roman hat keine Seitenzahlen, Funfact oder Fauxpas?

Matze: Ich wollte die Lesezeichenindustrie vorantreiben und Druckerschwärze sparen. Aber nein, jetzt im Ernst – das ist mir erst nach dem Durchblättern vom ersten Exemplar aufgefallen. Wo wir wieder bei der Genauigkeit wären.

Book Broker: Wie kombinierst du deine Tätigkeiten als Slammer, Student und …? Ja was machst du eigentlich noch?

Matze: Ich versuche, einfach das zu tun, was mir gerade Spaß macht. Gutes Zeitmanagement und die richtigen Prioritäten setzen hilft natürlich auch. Manchmal kommt mir eine Idee für die aktuelle Geschichte und ich hätte wahnsinnige Lust, sofort los zu schreiben. Aber wenn am nächsten Tag eine Prüfung ansteht, ist es halt doch taktischer, die Idee irgendwo zu notieren und sie später weiter zu entwickeln. Neben slammen, schreiben und studieren arbeite ich noch ein paar Stunden die Woche.

Book Broker: Erzähl uns kurz und knapp die Handlung deines Romans. Aber bitte rückwärts ohne zu spoilern.

Matze: Eine Schulklasse soll ein Theaterstück gegen Fremdenhass aufführen. Blöderweise herrschen innerhalb der Klasse aber auch viele Vorurteile, Rassismus und – wie der Titel schon andeutet – natürlich Angst. Ein Mitschüler wird zusammengeschlagen, das Projekt läuft immer mehr aus dem Ruder, und – jetzt würde ein Spoiler kommen.

Book Broker: Gibt es heimtückische Fallen, die es beim Self-Publishing zu umgehen gilt?

Matze: Es gibt einige Self-Publishing-Verlage, die mehr an ihren Autoren verdienen als am Verkauf von Büchern. Die erkennt man meistens daran, dass man als Autor drei- bis vierstellige Gebühren für die Veröffentlichung zahlen muss. Mit Books on Demand habe ich glücklicherweise einen Verlag erwischt, der nicht in diese Kategorie fällt. Bei allen seriösen Self-Publishing-Verlägen ist die größte Falle die eigene Schlampigkeit, da man im Normalfall gleichzeitig Autor, Lektor und Marketing-Manager ist. Da kann es dann zum Beispiel passieren, dass man plötzlich ein Buch ohne Seitenzahlen verkauft. Auch sollten vor der Entscheidung für einen Verlag unbedingt das Internet nach Erfahrungsberichten von bisherigen Kunden durchforsten, damit erspart man sich unschöne Überraschungen.

Book Broker: Was ist dein Berufsziel?

Matze: Momentan entweder Autor oder Lehrer oder beides. Wichtig ist mir, dass ich mit meinem Beruf Spaß, Glück und Erfolg verbinden kann.

Book Broker: Ist Self-Publishing die Zukunft?

Matze: Für junge Autorinnen und Autoren ist es auf alle Fälle eine super Gelegenheit, unkompliziert und vergleichsweise schnell ein Buch auf den Markt zu bringen. Bei den üblichen Verlägen dauert das meist 3-6 Monate, und die Marge ist viel geringer als im Eigenverlag. Zum Lektorat und für das Coverdesign können Self-Publisher auch selbstständige Unternehmen beauftragen, dafür braucht es nicht zwingend einen Verlag.

Book Broker: Du veranstaltest regelmäßig Schreibwerkstätte und sprichst von 8 goldenen Schreibregeln. Verrätst du uns einige davon?

Matze: Erstens, schreibe mit Leichtigkeit und Begeisterung – meiner Meinung nach eine der wichtigsten „Regeln“. Zweitens, lass deine Worte ins Schwarze treffen und Drittens: Verrate nur, was unbedingt notwendig ist.

Book Broker: Warum sollte dein Buch gekauft werden?

Matze: Hängt ganz davon ab, wer das Buch liest. Viele fanden die Figuren toll, und die verschiedenen Perspektiven, die sie auf die Thematik werfen. Einige haben sich in die Metaphern verliebt. Ich finds einfach schön, dass ich einen Kindheitstraum verwirklichen konnte und daraus auch schon viele – teils echt rührende – Rückmeldungen, Fragen und Gespräche ergeben haben. Die Geschichte ist mit schlanken 176 Seiten auch ideal für verregnete Sonntagnachmittage.

Hier geht’s zum Buch.

Bild: Bernhard Kapelari

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